Die reine Essenz der Britishness

West Pier

Foto: Trotzendorff

Wer einmal vor den traurigen Überresten von Brightons »West Pier« gestanden hat, diesem verkohlten gusseisernen Skelett, dass da aus dem Wasser ragt, kann sich kaum vorstellen, dass die einstige Touristenattraktion jemals wieder zum Leben erwachen könnte. Doch es gibt Menschen, die genau davon träumen, die dieses gespenstische Monstrum wieder aufbauen wollen — Der »Brighton West Pier Trust« zum Beispiel. Sie klammern sich an den Denkmalschutz, der den Abriss verhindert. Vielleicht versteht man das besser, wenn man die Geschichte des Piers kennt, der 1866 erbaut und 1975 aus Sicherheitsgründen geschlossen wurde. Den Wellen und dem Sturm preisgegeben verfiel er Jahr für Jahr, stürzte teilweise ein wurde durch Brandstiftung zuletzt fast vollständig niedergebrannt, während der »Palace Pier« nebenan, heute »Brighton Pier« genannt, mit zwei Millionen Besuchern jährlich zu den meistbesuchten Attraktionen in Sussex wurde. Weiterlesen →

Grüne Hierarchie

Von wegen alternativ, alles kann bei den Grünen ja auch nicht anders sein. In der Geschäftsstelle der Umweltpartei etwa herrscht eine klassische Hierarchie, wie sonst wohl wäre diese E-Mail zu deuten:

»Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,
 
während der Osterfeiertage (10. bis 13. April 2009) bleibt die Pressestelle von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN geschlossen.
 
In dringenden Fällen erreichen Sie vom 10. bis 11. April unsere Volontärin Xxxxxx Xxxxxx unter der Handy-Nr. xxxx/xxx xxxx …«

Die Volontärin, na klar.

Grobkariert

Alfredo Häberli

Foto: Screenshot

Da reden Sie alle vom Internet und der immerwährenden Verfügbarkeit von Informationen und Dingen, als sei das Netz ein Selbstbedienungsladen ohne Anfang und Ende. Doch sie lügen sich und uns in die Tasche — Gegenbeispiele sind schnell gefunden. Wie dieser Schal, der mir an Alfredo Häberlis Hals per Werbeprospekt ins Haus flatterte. Geworben wurde für Geschirr von Iittala, das allerdings — ohne damit seinen Reiz schmälern zu wollen — tatsächlich immerwährend verfügbar ist, ob im Internet oder per Einzelhandel. Der Schal aber war nirgends zu finden. Nun gut, wir haben Herrn Häberli aber auch unterschätzt, in einem Mann seines Kalibers einen Burberry- oder Paul-Smith-Kunden zu vermuten … Die letzte Chance also war der Meister selbst. Und auf die E-Mail mit der etwas skurrilen Anfrage, was für einen Schal er denn da getragen habe, als Shooting und Interview für Iittala stattgefunden hatten, kam tatsächlich auch zügig Antwort aus Zürich. Ein Mitarbeiter seines Büros erklärte mir freundlich, nein, so ungewöhnlich sei die Anfrage gar nicht, die bekäme man nicht zum ersten Mal, der Schal stamme aus der Werkstatt Sonnhild Kestlers (S.K. Handdruck) und sei bei Thema Selection in Zürich erhältlich.

Er sei jedoch leider ausverkauft.

Eine Kleinserie also. Hoffnung Internet? Online-Auktionshäuser? Google Product Search? Nun, es gibt Firmen, und Thema Selection und Sonnhild Kestler gehören wohl eindeutig dazu, die scheinen sich um solche Vertriebswege überhaupt nicht zu kümmern. Handgemachtes verkauft man eben per Hand. Richtig so. Dass ich dadurch jetzt noch immer nicht zu meinem Schal gekommen bin und wahrscheinlich auch niemals kommen werde, ist schließlich nicht ihr Problem. Wenn aber zufällig mal jemand Alfredo Häberli über den Weg laufen sollte und er zufällig diesen Schal …

Der letzte Sonnenuntergang

Brighton, einst stolzes Strandbad an der Kanalküste, –0° Grad 09' Minuten westlicher Länge und 50° Grad 50' Minuten nördlicher Breite, heute zwar noch weiß und türkis gestrichen, die großen Jahre aber sind vorbei. Als Verlängerung der Old Steine versucht der Palace Pier, ein wenig Glamour hierherzubringen, der West Pier aber, einen knappen Kilometer weiter den Strand hinauf, spricht eine klare Sprache, nur noch das gusseiserne Skelett ragt aus den Wellen, zusammengehalten von Kot der Möwen, hoffend aus das letzte Bisschen Denkmalschutz. An manchen Abenden kann man auf diesem Stück zwischen Gestern und Heute die Apokalypse erleben, den letzten Sonnenuntergang — windzerzaust und staunend. Als sei man der letzte Mensch auf der Welt. Alle Bilder anschauen →

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