A Life On Facebook

Zurecht hat Johnny von Spreeblick heute auf ein großartiges Video hingewiesen: »A Life On Facebook«. Darin erzählt Maxim Luère die fiktive Lebensgeschichte des Alex Droner als Ansammlung von Statusmeldungen, von Party zu Party, von Beziehung zu Beziehung, von Emma zu Diana, vom ersten Schritt bis zum finalen Logout. Eine wunderschöne Idee, clever umgesetzt und klasse inszeniert — auch wenn Luère zwischendurch ein wenig die Ideen fehlen und ihm am Ende leider die Luft ausgeht.

Heimatlose Orchester

So organizing my desk is procrastination? Abe Lincoln would say I'm sharpening my axe. Plus, he'd love the tiny log house made of pencils.
@badbanana
Tim Siedell

Nebraska ist wohl nicht gerade der Bundesstaat, den man als den Hort der US-amerikanischen Kreativität bezeichnen würden. Wer jedoch Tim Siedell schon einmal über den digitalen Weg gelaufen ist, beispielsweise in Form seines Twitter-Accounts @badbanana, der weiß, dass Nebraska irgendetwas haben muss. Ausgerechnet hier nämlich hat Siedell (dessen Avatar ausgerechnet Werbelegende David Ogilvy zeigt), vor zehn Jahren seine Kommunikationsagentur Fuse Industries gegründet, die durch den Siedell eigenen Humor und einen kräftigen Schuss Understatement glänzt: »Our studio was featured in the July, 2005 edition of Communication Arts. We also became the first Americans to win the Financial Times of London’s World’s Toughest Briefs competition. I’ve won a bunch of other creative awards, but not since 2000 (our studio does not enter creative award shows). Mostly, we try to stay focused on doing great work for our clients.« Es wundert also nicht, dass @badbanana, der zu den witzigsten und bissigsten Accounts gehört, denen man überhaupt folgen kann, sich bis heute mehr als 400.000 Follower ertwittert hat. Umso großartiger, dass der Amerikaner nun gemeinsam mit dem Illustrator Brian Andreas ein Buch veröffentlicht: »Marching Bands Are Just Homeless Orchestras«. Weiterlesen →

Ich würde gerne einen Tisch reservieren

Via @localch

Ist das nun das im wahrsten Sinne des Wortes größte Gadget, das ich je gesehen habe — oder einfach nur der größte Schwachsinn? Schließlich kann dieser zugegebenermaßen gut, aber wenig innovativ designte 58-Zoll-Tisch nicht mehr, als das angeschlossene iPhone auch kann. Als echtes Büromöbel also taugt er wohl kaum, dafür müssten die österreichischen Erfinder schon mindestens eine iPad-Version entwickeln. Als Spielzeug aber ist Table Connect durchaus geeignet — allein das Zugucken macht einfach Spaß.

Delicious Links

  1. »Mach’s dir selber, Kunde« — 02/11/2010 — »Wer will schon eine teure Service-Hotline anrufen?«, fragt Bastian Brinkmann in der Süddeutschen Zeitung. Stattdessen suchten Kunden Antworten auf ihre Fragen im Internet. »Firmen erkennen diesen Trend – und spannen Kunden für ihren Service ein.«
  2. »regulatoren« — 26/10/2010 — Ein schönes, kleine Stück über die Zeit. Felix Schwenzel und die Regulatoren seiner Eltern.
  3. »Deutschland ist auf dem Weg zur Casting-Gesellschaft« — 26/10/2010 — Nicht neu, aber gut und prägnant auf den Punkt gebracht. Bernd Pörksen über den permanenten Inszenierungsverdacht in der Casting-Gesellschaft, das neue Selbstbild der »Noch-nicht-Prominenten« und Glaubwürdigkeit als neuen Leitwert.
  4. »Die Corporate Website lebt!« — 25/10/2010 — Die ersten Unternehmen geben ihre Internetpräsenzen auf und wandern komplett zu Facebook ab. Doch Nadja Parpart stellt für about.virtual-identity.com fest: »Die Corporate Website ist ein kommunikatives Bollwerk und ein verlässlicher Bezugspunkt inmitten der hektischen Betriebsamkeit nutzergenerierter Medien und Netzwerke.«
  5. Nerv’ mich doch! — 23/10/2010 — »Das Problem ist nicht, dass in diesem Land die unterschiedlichsten Menschen leben. Sondern, dass wir nicht mehr wissen, wie man sich über den Anderen aufregt — und es dann gut sein lässt.« Malte Welding hat ein Glanzstück für die Berliner Zeitung geschrieben.
  6. »Narrensicheres Geschäftsmodell, kostenlos abzugeben« — 22/10/2010 — Erst nach einem guten Monat entdeckt, aber immer noch einfach gut: »Aber klar – irgendwann merkt man dann auch, dass halt nicht jeder gleich von Anfang an hier als Thomas Lobo oder Sascha Knüwer geboren wurde. Ja sehen Sie, und deshalb gibt es mich! Wissen Sie, ich bin da eher abgebrüht, ja? Ich hab ja 1997 im Alto Palo schon mit John A. Zoschnick und mit dem Pete die ersten Deals mit CompuComp und mit TechMonster gemacht.«
  7. »Kitchen Interfaces Suck; Let’s Break Down Why« — 22/10/2010 — »It's not just the new technological gizmos that complicate our cooking lives«, schreibt Aza Raskin, Creative Director bei Firefox. Er widmet sich auf fastcodedesign.com dem vielleicht wichtigsten Raum einer jeden Wohnung und der ein oder anderen Gestaltungssünde.
  8. »Steve Jobs’ old business card« — 22/10/2010 — Da möchte man gar nicht wissen, wie viele Anrufe Steve Jobs in den vergangenen Tagen bekommen hat. Eine seiner Visitenkarten von Anno Dazumal ist aufgetaucht. Und, so behauptet zumindest The Atlantic: »The phone number still works.«
  9. »Zehn Thesen zur Zukunft der Zeitung« — 21/10/2010 — »Wir werden uns von vielen verabschieden müssen. Bald schon.« Diese beiden Sätze schreibt Christian Jakubetz unter seine zehn Thesen zur Zukunft der Zeitung. Und die sind hochinteressant, streitbar, lesenswert.

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»Heißt das, ich kann nicht mehr zurück?«

Callcenter haben einen — sagen wir — bescheidenen Ruf. Und wer heute bei einer Hotline anruft, weiß nicht, wo auf der Welt sein Gegenüber sitzt, das mit ihm über die Versicherungspolice, den Festnetzanschluss oder die letzte Bestellung redet. Die Globalisierung hat längst auch in diesem Dienstleistungsbereich Einzug gehalten. Einem Problem, dass sich unter dieser Oberfläche abspielt, hat sich die Filmemacherin Martina Priessner in »Wir sitzen im Süden« angenommen. Denn einige derjenigen, mit denen Deutsche Tag für Tag telefonieren, melden sich mit falschem Namen: Deutsch-Türken, die in Callcentern für deutsche Firmen arbeiten. In Istanbul. Und das nicht etwa freiwillig, sondern weil sie aufgrund der herrschenden Gesetze nicht mehr nach Deutschland zurückdürfen. Menschen, die sich mehr als Deutsche, denn als Türken sehen, die der aktuellen Integrations-Debatte und all den sarrazinschen und merkelschen Argumentationsversuchen den Spiegel vorhalten. Oder, wie es ttt vor kurzem ausdrückte: » Während die Politiker dauernd über Migranten reden, die sich angeblich nicht integrieren wollen, erlebt der Zuschauer im Film Türken, die längst Deutsche sind, aber nicht in Deutschland leben dürfen.« Derzeit tourt »Wir sitzen im Süden« von Festival zu Festival. Wird Zeit, dass er endlich in die deutschen Kinos kommt.