Was so alles vorüberzieht, wenn einem das Leben ein wenig Zeit schenkt und der Wind nur kräftig genug weht. Marodes Laub, Kinder mit Ahornnasen, Schilfgeruch. Und Fragen. Kann man an einem radelnden Pärchen erkennen, wie ihre Beziehung funktioniert? Spielt es eine Rolle, dass sie vorne wegfährt? Und er hinten Faxen macht? Kann man bei den beiden da vorne von den Anziehsachen auf den Alltag schließen? Von den Rollschuhen über den Windbreaker bis zur Sonnenbrille der perfektionierte Partnerlook. Und ob die keifende Alte da ihren hüftlahmen Mann vielleicht doch liebt? Manche Menschen genügen an solchen Tagen sich selbst, manche brauchen ihre beste Freundin, den Hund, Sport. Manche hören an einem solchen Tag das Plätschern der Wellen, manche nur das Hundegebell, manche die keifende Alte hinter sich. Und an manchen weht ein Duft, eine vage Erinnerung … vorbei.
Es ist lange her, dass ich Kinder mit Ahornnasen gesehen habe. Von drüben, vom brüchigen Ausflugsdampfer, schwappt wie in Watte gepackt die Stimme des Ansagers ans Ufer. Der richtige Moment, das Leben neu zu vermessen, darüber nachzudenken, warum ich Sonntage eigentlich gar nicht mag. Und darüber, ob das ab heute vielleicht anders wird. Ein Tag wie mit Sirup oben drauf.
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Ort: Leipzig, Karl-Liebknecht-Straße
Bike-Department Ost
Maps: 51.32721, 12.37421
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Das Leben ist immer woanders, einen Häuserblock, eine Haltestelle, ein Land weiter. Vielleicht auch deshalb sind Menschen so gerne unterwegs, weil sie ständig suchen. Nach einem Leben. Und da Menschen ihr Leben derzeit auch noch unheimlich gerne anderen mitteilen, ist – ganz prosaisch gesprochen – das mobile Bloggen so beliebt. Denn so wird diese Suche zum Plot für das eigene Drehbuch, und an diesem Leben da draußen können plötzlich mehr oder weniger viele Fremde teilhaben. Da draußen lauert aber nicht nur das eigene Leben, sondern auch das Leben von Millionen anderen, es lauern Begegnungen, Geschichten, Beobachtungen.
Auch für das iPhone, sozusagen die Eier legende Wollmilchsau des modernen Menschen auf Achse, gibt es eine kleine Anwendung, die das Bloggen mittels WordPress erlaubt. Und obwohl ich das Platzieren selbst geschossener Fotos in einem Artikel noch nicht hinbekommen habe (sie landen immer unter dem Artikel und zerschießen mir mein ohnehin noch fragiles Layout), bin ich ganz hin und weg. Bis auf Weiteres gibt es also ein Symbolfoto für Geschichten von unterwegs, die Hoffnung auf das nächste Update und den schönen Satz des Heidedichters Hermann Löns: »Zukünftig wird es nicht mehr darauf ankommen, dass wir überall hinfahren können, sondern, ob es sich lohnt, dort anzukommen.« Löns Tagebuch übrigens, das er im Ersten Weltkrieg geführt hat, ist deshalb so spät entdeckt worden, weil es »eine vergilbte, verschmierte Wachstuch-Kladde« war, »mit blassem Bleistiftgekritzel gefüllt«. Ach hätte Herr Löns doch schon bloggen können.
Foto: iStockphoto
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