»Sonderbar und unheimlich, wie auch der schönste und glühendste Sommer vergeht, wie plötzlich der Augenblick da ist, wo man fröstelnd und noch etwas verwundert in seinem Zimmer sitzt, auf den Regen draußen horcht und von einem grauen, schwachen, kühlen, strahlenlosen Licht umgeben ist, das man allzu gut wiedererkennt.« Eben noch war man in einer anderen Welt, in der Welt von Hermann Hesse, von dem diese Zeilen stammen und von dem im Folgenden aus Gründen noch öfter die Rede sein soll. Eben noch war man im Tessin und noch immer kann man kaum glauben, dass das die Schweiz gewesen sein soll. Sicher, dieser Kanton hinter dem Gotthard hat sein Berge, aber ebenso hat er seine blaugrünen Seen und seine Palmen. Hier wird ebenso italienisch gesprochen wie gefahren, und wenn es eines Beweises bedarf, dass auch der Massentourismus dieses Land längst erreicht hat, dann findet er sich an den Uferpromenaden von Lugano, Locarno oder Ascona, die nicht selten an die Riviera erinnern.
Schon 1927 schrieb Hesse nach seiner »Rückkehr aufs Land« über die Touristen: » Es sind reizende Menschen, diese Fremden, wohlerzogen, dankbar, unendlich bescheiden, sie überfahren einander gegenseitig mit ihren Autos ohne zu klagen, irren tagelang von Dorf zu Dorf, um noch ein freies Bett zu finden, vergebens natürlich, sie photographieren und bewundern die in längst verschollene Tessiner Trachten gekleideten Kellnerinnen der Weinlokale und versuchen, italienisch mit ihnen zu reden, sie finden alles reizend und entzückend, und merken gar nicht, wie sie da, Jahr um Jahr mehr, eine der wenigen im mittlern Europa noch vorhandenen Paradiesgegenden eiligst in eine Vorstadt von Berlin verwandeln.« Und heute? Heute ist das Tessin eine Vorstadt von Amsterdam, von Mailand, von Zürich. Auch andernorts und noch heute diskutiert man in den Alpen über die Alt‑ und Neureichen, die für einen Ausflug ihr St. Moritz oder ihr Gstaad im Bentley oder Range Rover verlassen, um für einige Stunden oder Tage dörfliche Romantik zu erleben, Natur, in längst verschollene Trachten gekleidete Kelnerinnen. Ob es im Tessin dieser Tage wohl umgekehrt ist? Diskutieren hier inzwischen vielleicht all die Millionäre auf ihren Yachten über die Normalsterblichen, die für einen Ausflug ihre Zweizimmerwohnung im Corsa oder 107 verlassen, um für einige Stunden oder Tage heitere Noblesse zu erleben, Boutiquen, in feinen Zwirn gekleidetet Ober? (Weiterlesen …)









|
| 




Schön, dass Sie vorbeischauen. Nehmen Sie sich Zeit, einen Kaffee und schauen Sie sich in Ruhe um.
Dieses Blog ist – Sie werden das kennen – nach Themen sortiert. Sie können im Archiv stöbern, Kommentare lesen oder selbst
kommentieren. Herzlich Willkommen!
Twitter: 
















Die meisten Inhalte dieses Blogs wurden unter dieser 










