
Foto: Fiva
Was so große Hoffnung macht und dennoch weder in den etablierten Medien (mit Ausnahmen) noch für die großen Radiosender eine gewichtige Rolle zu spielen scheint, sind Nina Sonnenberg alias Fiva, das Phantom-Orchester (bestehend unter anderem aus Paul Reno und Rüdiger Linhof, Bassist der Sportfreunde Stiller) und ihr Album »Die Stadt gehört wieder mir«. Und eines vorweg: Der einzige Wermutstropfen an dieser Platte ist ihre mit 37 Minuten viel zu knapp geratene Länge. Davor aber stehen zehn unglaubliche Tracks — thematisch wie musikalisch wie textlich herausragend — und mit Fiva eine Musikerin, die wirklich etwas zu sagen hat.

Fiva: »Die Stadt gehört wieder mir«, Kopfhörer Recordings
Dass diese Platte dennoch viel zu wenig wahrgenommen wird, erstaunt vor allem, weil Nina Sonnenberg inzwischen nicht mehr nur als Musikerin, sondern auch als Moderatorin im Radio oder für die Sendung »Der Marker« beim öffentlich-rechtlichen Digitalsender zdf.kultur Karriere macht. Spartenfernsehen, das sicherlich, aber für einen Aufmerksamkeitsschub sollte es eigentlich reichen. Gerade für das am Freitag erschienene vierte Album aber zieht Fiva Energie und Wirkung aus noch etwas anderem: ihrer Erfahrung und Klasse in Sachen Poetry Slam. In Tracks wie »Dein Lächeln« gibt sie das Rappen fast vollständig zu Gunsten der Rezitation auf, unterlegt von Streichern und Gitarren und dadurch fast schon romantisch. Aus der Tatsache, dass davor und danach jedoch vorwärts drängende, treibende Tracks wie »Die Stadt gehört wieder mir« oder »Raus hier« zu finden sind, zieht diese Platte ihren Rhythmus, ihren Puls, der in seinen Bann schlägt. Und manchmal singt Fiva sogar — zumindest ein wenig.
Bei all dem zeigt Fiva Haltung, sie bezieht Position, nicht nur in Sachen Liebe, auch gegenüber der Mutlosigkeit und gegenüber einer Normativität, die schon auf ihren ersten Alben Thema gewesen ist. »Muli oder Mensch« etwa oder »Der richtige Moment« appellieren an unser aller Selbstverständnis, und das ohne moralinsaure Phrasen und vor allem ohne zu vergessen, dass Sprache auch hier mehr ist als nur Werkzeug. Sprache und somit auch Fivas Tracks sind klug und witzig, sie sind hintersinnig, aber nicht überladen, sie sind aber auch unglaublich gute Musik und vor allem tanzbar.
Und so nimmt uns Fiva auch mit diesem Album wieder an die Hand, mit einem Hip-Hop, der Mut machen kann und aufwecken, der trösten kann und zum Lachen bringen (Wer das live erleben will, findet die Tourdaten übrigens hier). Und wie heißt es bei Fiva so schlicht? »Du bist erst fertig, wenn du fertig bist.« Da hoffe ich doch, dass sie es noch lange nicht ist.
