Schau ins Land (1)

Foto: Trotzendorff (Lightbox)

Man kann sich dem Thema nostalgisch nähern, sich daran erinnern, wie gerne man als Kind durch diese Ferngläser geguckt hat, die auf dem Drachenfels, der Wartburg oder der Festung Ehrenbreitstein stehen, mit den Zehenspitzen auf einem unbequemen Tritt balancierend. Man kann sich an die Diskussionen mit den Eltern erinnern, denen die wenigen Minuten des Vergnügens keine Mark wert waren, die vielleicht auch dem Streit aus dem Weg gehen wollten, welches Kind als erstes gucken darf und wie lange. Man kann aber auch Wikipedia ansurfen und dort die trockenene Information finden, dass solche Münzferngläser meist Refraktoren sind, die »einige Grad Gesichtsfeld bei rund 20-facher Vergrößerung bieten«, gelegentlich auch eine Zoomfunktion haben und deren Objektiv-Durchmesser bei etwa fünf bis acht Zentimetern liegt.

Foto: Trotzendorff (Lightbox)

Für mich sind diese Fernrohre mit ihren klingenden Namen wie »Galaxy«, »Stop’n Watch« oder »Visio« Relikte einer vergangenen Zeit. Doch noch gibt es sie, stoisch stehen sie an den Touristenrouten herum und warten wie Raketen auf ihren Abschussrampen auf ihre Kundschaft. Teils auf Hochglanz poliert, teils rostend ignorieren sie all die Banausen mit Teleobjektiven, all die Menschen, die ihr letztes Kleingeld lieber für eine Currywurst als für einen Blick in die Ferne ausgeben, all die Kinder, die lieber mit ihrem Handy spielen, statt sich auf diesen unbequemen Tritt zu stellen. Bevor sie verschwunden sind, will ich sie fotografieren, wo immer sie mir begegnen, und den Anfang macht dieses tiefrote Fernglas Modell »Galaxy« (Laut Hersteller »für bequeme Aussichten«), das auf dem Quedlinburger Schlossberg steht und das — wie zum Zeichen — von einem mannshohen Bauzaun versperrt wird.

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