Bürokram
Musen sollen gefälligst aufhören mich zu küssen.
Die sollen den Bürokram machen.
Katz & Goldt
 
Digipop 
Mein Ich von 1998 und ich | 03/07/2009
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Es ist interessant, wie viele Menschen sich noch an ihre erste Handynummer erinnern. Nadine von Bremen auch. Sie erinnert sich aber nicht mehr genau an ihr erstes Handy, ein Nokia könnte es gewesen sein, schreibt sie, auf jeden Fall »so hoch [...] wie ein Portemonnaie«. Und das heißt bei Damenportemonnaies eine ganze Menge. Mein erstes Handy war von Sony, ich habe jedoch einen halben Tag gebraucht, um herauszufinden, was für ein Modell ich mir damals gekauft habe.
 
Sony selbst produziert inzwischen keine Handys mehr (Das Joint-Venture SonyEricsson hat diesen Zweig 2001 übernommen), und besonders stolz scheint man bei dem japanischen Konzern auf die Historie mobiler Telefone auch nicht zu sein. Im Netz finden sich kaum Hinweise, dass es da mal was gab, bei Sony selbst gar keine. Selbst Wikipedia verschweigt, dass Sony jemals Handy produziert hat. Oder ich bin zu blöd, um Wikipedia zu bedienen. Umso dankbarer bin ich, dass es bei Yet Another Blog zumindest von der Verpackung ein Foto gibt, dass unter CC-Lizenz steht. Knicks.
 
1997 oder 1998, also ähnlich wie Nadine reichlich spät, kaufte ich mir ein Sony CMD-X-2000. Bei handycheats.de kann man noch nachschauen, was dieses »kleine« Ding so alles konnte. Oder eben auch nicht: »WAP-fähig: Nein. GPRS: Nein. Itegrierter Vibrationsalarm: Nein. Breite: 46 (wahrscheinlich Millimeter, Anmerkung des Autors). Höhe: 147. Tiefe: 26. Volumen: 155. Gewicht: 185. Sendeleistung: unbekannt. Sprachcodierung: Nein. Akkuart: Li-Ion. Anzeige Grafik: ja. Anzeige Dynamisch: ja. Feldstärke Anzeige: Ja. Kapazitäts Anzeige: Ja. Tastaturbeleuchtung: Ja. Tastatursperre: Ja. Feste Klingeltoene: ja. Variable Klingeltoene: Nein. Voice Dialing: Nein. Wahlwiederholung: Ja.« Aber es hatte ein Jog-Dial! Und eine ausziehbare Antenne. Und auch an meine erste Handynummer erinnere ich mich noch. Eine 0171-Nummer samt elendig teurem Vertrag.
 
Nadines Post hat mich auf eine Idee gebracht: Ich rufe mich einfach selbst an, in der Vergangenheit quasi. Und siehe da: Die Nummer gibt es noch. Es dauert auch nicht lange, bis sich jemand meldet, doch ich verstehe den Namen nicht. Überhaupt verstehen wir uns recht wenig. Sprachlich gesehen. Ich versuche, dem jungen (?) Mann zu erklären, was ich eigentlich will, dass das mal meine Nummer gewesen sei, ich nur sehen wollte, wem die jetzt gehört, eine Zeitreise sozusagen. Er wird laut, ich entschuldige mich, verstehe ihn aber immer noch nicht. Vielleicht denkt er, ich will ihm die Nummer wegnehmen? Die wertvolle 0171-Nummer? Das Gespräch endet abrupt, zwei Minuten später aber klingelt mein Handy, auf dem Display meine alte Nummer. Ich werde von meinem Ich aus der Vergangenheit angerufen, das ich nicht verstehe. Ich melde mich, höre einen leicht beschleunigten Atem, dann Tuscheln im Hintergrund, dann das Besetztzeichen.
 
Meine erste Handynummer gehört mir nicht mehr. Mein erstes Handy wird selbst vom Hersteller verleugnet. Mein Ich aus der Vergangenheit und ich haben schwerwiegende Kommunikationsprobleme. 1998 ist lange vorbei. Gott sei Dank.

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    Kommentare
  1. ChliiTierChnübler | 05/07/2009 um 18:34

    Was soll das heissen »erinnern«? Ich habe immer noch meine erste Nummer :) Und das seit nun bald 10 Jahren :)

  2. Trotzendorff (@) | 05/07/2009 um 22:44

    Ja, ich hab von Menschen wie Ihnen gehört. Beneidenswert.


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