Der grüne Aufstand im Netz

Teheran

Foto: Screenshot | Tehran24

Die Situation im Iran beschäftigt derzeit auch viele Deutsche, bei Twitter und in Blogs liest man vor allem eine Menge über den Zugang der Menschen dort zu Internet und Medien, eine Menge Solidarität wird über diese Kanäle verbreitet, aber auch handfeste Unterstützung. Das Thema lag also auf dem Tisch, viele andere Kollegen haben sich in den vergangenen Tagen ebenfalls damit beschäftigt. Ein kleiner Auszug dessen, was ich heute zum grünen Aufstand im Netz geschrieben habe:

Obwohl im Iran viele Internetdienste von der Regierung gesperrt worden sein sollen, umgehen Regierungsgegner die Zensur und nutzen das Internet, um sich zu organisieren. Eine große Rolle spielt dabei der oft geschmähte Kurznachrichtendienst Twitter.

«218.128.112.18:8080 218.206.94.132:808 218.253.65.99:808 219.50.16.70:8080». Solche Zahlenketten machten in den vergangenen Tagen des Öfteren die Runde beim Microblogging-Dienst Twitter. Es sind die IP-Adressen von sogenannten Proxies, Umleitungen auf ausländische Server, mit denen sich die Sperren der iranischen Regierung umgehen lassen. Und über die organisiert sich im Iran derzeit der Widerstand gegen die Machthaber.

Das Internet ist, gerade für junge Menschen im Iran, zu einem der wichtigsten Kommunikationsmittel überhaupt geworden. Oft aber geht kaum noch etwas. Nach dem Mobilfunknetz wurden nach und nach wichtige Netzdienste blockiert. Facebook, YouTube, Twitter – solche Seiten sind im Iran derzeit über die normalen Wege so gut wie gar nicht zu erreichen.

Über Proxies aber durchaus. Und so hat es beispielsweise das Schlagwort #iranelection auf Platz 1 der Trending Topics geschafft, der angesagten Themen bei Twitter. Im Sekundentakt laufen dort neue Meldungen aus dem Land ein. Schon rufen Unterstützer der Opposition Twitter-Nutzer dazu auf, ihr Profilbild durch eine grüne Grafik zu ersetzen und so eine«grüne Wand» des Protests zu bilden. «Wenn ich keine Verbindung zu Twitter habe, bin ich von der Welt abgehängt» erklärt hamednz, ein Nutzer des Internetdienstes aus der iranischen Kleinstadt Rasht. «Denn das staatliche Fernsehen berichtet über vieles nicht!» Über Twitter werden jedoch nicht nur Informationen verbreitet, iranische Oppositionelle organisieren mit ihren Nachrichten auch einen Teil der Protestaktionen. Am Montag etwa schrieb alirezasha: «Heute um 16:00 Uhr, ein RUHIGER Protest».

Weiterlesen? Den gesamten Text finden sie auf news.de.

2 Kommentare

  1. Guter Hintergrundbericht, aber hören sie auf mich zu siezen!

    Die Süddeutsche hatte heute auf dem Titel die angeblich gefälschten Zahlen des Innenministeriums. Es waren genau die Zahlen, die Abends zuvor über Twitter übermittelt wurde. Da frage ich mich schon, ob da die SZ einfach abgeschrieben hat und sich auf eine einzelne Twittermeldung verlässt oder ob sie diese Zahlen versucht haben anders zu verifizieren?

    Will das jetzt gar nicht kritisieren. In so einer Situation im Iran, in der eine Informationssperre verhängt wurde, ist so ein »Nachrichtendienst« wie Twitter Gold wert. Dennoch muss man sich daran gewöhnen, dass die Nachrichten des Tages offensichtlich mit 140 Zeichen gemacht werden können.

  2. Tschuldigung, das mit dem Siezen passiert ganz automatisch. Sollte ich mir langsam wirklich mal abgewöhnen.

    Ohne den Text zu kennen: Wundern würde mich das zumindest ein bisschen. Nicht, dass sich die Süddeutsche Informationen über Twitter holt, sondern dass sie sich die ausschließlich über Twitter holt. Und die fehlende Quellenangabe spricht eigentlich auch nicht gerade für die sonst (meist) überdurchschnittliche Sorgfalt dieses Blattes.

    Ich gebe Dir aber recht: Journalisten müssen sich daran gewöhnen, dass Twitter ein Nachrichtenkanal ist/wird, ohne ihn gleich als Konkurrenten zu betrachten. Und das ganz gleich, ob dieser Dienst im Speziellen nun die kommenden Jahre überlebt oder nicht. Denn sonst kommt ein anderer Anbieter, ein anderer Dienst. Und in 140 Zeichen machen kann man Nachrichten ja nicht erst seit Twitter, sondern schon immer. Es gibt da den schönen Begriff des Küchenzurufs, der hier ganz gut erklärt ist. Bei Nachrichten ist Twitter nichts anderes.

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