Vorsicht, verallgemeinernde Einleitung, die auch noch längst bekannte und deshalb nicht mehr als Weisheiten zu bezeichnende Wahrheiten enthält: Die Automatisierung unserer Gesellschaft hat in den vergangenen Jahren mit einer beängstigenden Geschwindigkeit beängstigende Ausmaße angenommen. Das wissen vor allem diejenigen, die schon einmal mit Abteilungen namens »Support« zu tun gehabt haben. Also eigentlich alle. Ich meide diese Abteilungen so gut es geht, doch nicht immer gelingt das. Am Samstag zum Beispiel (allein daran sieht man schon, dass Support-Abteilungen in Sachen Automatisierung Vorreiter sein müssen) habe ich eine E-Mail erhalten, die mit den folgenden freundlichen Worten begann:
Ihre Kundennummer: xxxxxxxx
Sehr geehrter Herr Blaschke,
anbei erhalten Sie Ihre Rechnung vom 11.04.2009.
Man stelle mir 17,94 Euro für weitere sechs Monate professionelles Mailen in Rechnung, teilte mir »meine« GMX Internet Services GmbH mit freundlichen Grüßen mit. Und das, obwohl ich diesen Service vorausschauend schon vor langer Zeit abbestellt hatte. Nach einer kurzen Nachricht an den Rechnungssupport bekomme ich heute (sic!) eine zweite Mail, ohne weitere Mitteilung, ohne Erklärung. Nur diesen Text:
Ihre Kundennummer: xxxxxxxx
Sehr geehrter Herr Blaschke,
anbei erhalten Sie Ihre Gutschrift vom 13.04.2009.
Roboter, alles Roboter! Aber wenigstens arbeiten die auch an Feiertagen.
Foto: Sebastian Hamann | photocase.com © dukee
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»Hast Du Dein Dingsda? Wie heißt das denn nochmal? Dieses Fahrkartenteil … Navi!« // »Reiben oder Tupfen? Sag mal schnell einer!« // »Wer ist denn eigentlich dieser Uwe Mojela?« — »Uns Uwe?« // »Was würde Kant wohl dazu sagen?« — »Er würde sagen: fickt euch.« // »Halt jetzt mal meine Hand! Wir sind in der Innenstadt, falls Du’s noch nicht gecheckt hast.« // »Das ist die reine Vernunft, dass ich für Bayern bin, der Pott muss einfach nach Deutschland.« — »Du meinst, heim ins Reich?« // »Die Zeit vergeht. Wie schnell ist nichts getrunken.« // »Guten Morgen! Beiihneneinenwunschkaffee?« // »Ich bin ja eher ein sanftmütiger Mensch. Bis ich eine Packungsbeilage zusammenfalte.« // »Luca Toni kommt aus Modena, da bin ich ganz sicher. Ich hab da extra auf den Marktplatz gespuckt.« // »Guck mal, ein Tierarzt für Zoo‑ und Wildtiere. Da könnte ich das Zebra abgeben, dass ich gerade gegessen hab. Ich glaub, dem geht’s nicht so gut.«
Das Original dieser Rubrik finden Sie als »Dialogfetzen« bei der Gefühlskonserve.
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Wer einmal vor den traurigen Überresten von Brightons »West Pier« gestanden hat, diesem verkohlten gusseisernen Skelett, dass da aus dem Wasser ragt, kann sich kaum vorstellen, dass die einstige Touristenattraktion jemals wieder zum Leben erwachen könnte. Doch es gibt Menschen, die genau davon träumen, die dieses gespenstische Monstrum wieder aufbauen wollen — Der »Brighton West Pier Trust« zum Beispiel. Sie klammern sich an den Denkmalschutz, der den Abriss verhindert. Vielleicht versteht man das besser, wenn man die Geschichte des Piers kennt, der 1866 erbaut und 1975 aus Sicherheitsgründen geschlossen wurde. Den Wellen und dem Sturm preisgegeben verfiel er Jahr für Jahr, stürzte teilweise ein wurde durch Brandstiftung zuletzt fast vollständig niedergebrannt, während der »Palace Pier« nebenan, heute »Brighton Pier« genannt, mit zwei Millionen Besuchern jährlich zu den meistbesuchten Attraktionen in Sussex wurde. (Weiterlesen …)
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Von wegen alternativ, alles kann bei den Grünen ja auch nicht anders sein. In der Geschäftsstelle der Umweltpartei etwa herrscht eine klassische Hierarchie, wie sonst wohl wäre diese E-Mail zu deuten:
»Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,
während der Osterfeiertage (10. bis 13. April 2009) bleibt die Pressestelle von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN geschlossen.
In dringenden Fällen erreichen Sie vom 10. bis 11. April unsere Volontärin Xxxxxx Xxxxxx unter der Handy-Nr. xxxx/xxx xxxx …«
Die Volontärin, na klar.
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Da reden Sie alle vom Internet und der immerwährenden Verfügbarkeit von Informationen und Dingen, als sei das Netz ein Selbstbedienungsladen ohne Anfang und Ende. Doch sie lügen sich und uns in die Tasche — Gegenbeispiele sind schnell gefunden. Wie dieser Schal, der mir an Alfredo Häberlis Hals per Werbeprospekt ins Haus flatterte. Geworben wurde für Geschirr von Iittala, das allerdings — ohne damit seinen Reiz schmälern zu wollen — tatsächlich immerwährend verfügbar ist, ob im Internet oder per Einzelhandel. Der Schal aber war nirgends zu finden. Nun gut, wir haben Herrn Häberli aber auch unterschätzt, in einem Mann seines Kalibers einen Burberry- oder Paul-Smith-Kunden zu vermuten … Die letzte Chance also war der Meister selbst. Und auf die E-Mail mit der etwas skurrilen Anfrage, was für einen Schal er denn da getragen habe, als Shooting und Interview für Iittala stattgefunden hatten, kam tatsächlich auch zügig Antwort aus Zürich. Ein Mitarbeiter seines Büros erklärte mir freundlich, nein, so ungewöhnlich sei die Anfrage gar nicht, die bekäme man nicht zum ersten Mal, der Schal stamme aus der Werkstatt Sonnhild Kestlers (S.K. Handdruck) und sei bei Thema Selection in Zürich erhältlich.
Er sei jedoch leider ausverkauft.
Eine Kleinserie also. Hoffnung Internet? Online-Auktionshäuser? Google Product Search? Nun, es gibt Firmen, und Thema Selection und Sonnhild Kestler gehören wohl eindeutig dazu, die scheinen sich um solche Vertriebswege überhaupt nicht zu kümmern. Handgemachtes verkauft man eben per Hand. Richtig so. Dass ich dadurch jetzt noch immer nicht zu meinem Schal gekommen bin und wahrscheinlich auch niemals kommen werde, ist schließlich nicht ihr Problem. Wenn aber zufällig mal jemand Alfredo Häberli über den Weg laufen sollte und er zufällig diesen Schal …
Foto: Screenshot
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