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Den Unterschied zwischen einem Tatverdächtigen und einem Verurteilten Verbrecher sollte eigentlich jeder Volontär kennen. Ebenso wie den zwischen einer Verhaftung und einer Festnahme. Im Fall Kardelen aber zeigt sich wieder, wie sorglos manche Medien bei Kriminalfällen mit Begriffen jonglieren. Heute morgen meldeteten die Agenturen, der mutmaßliche Mörder der achtjährigen Kardelen sei in der Türkei gefasst worden. Das wichtigste Wort dabei war aber eben »mutmaßlich«. Denn Ali Kur ist noch nicht rechtskräftig verurteilt. Bei Google News fanden sich alleine auf den ersten zwei Seiten acht Meldungen, in denen aus dem Verdächtigen ein Mörder wurde, acht Medien titelten mit Schlagzeilen wie »Kardelens Mörder ist gefasst« oder »Kardelens Mörder festgenommen«.
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Die erste Variante stammt sogar von der Süddeutschen Zeitung, doch auch die ZDF-Nachrichtensendung heute nahm es einige Zeit nicht so genau, erst im jeweiligen Vorspann tauchte »mutmaßlich« wieder auf. Inzwischen haben die meisten Seiten ihre Schlagzeilen zwar aktualisiert. Die Krone aber setzen dem Ganzen die Krone aus Österreich und der deutsche Express auf. Die Krone titelte schlicht und ergreifend: »Verbrechen geklärt — Kardelens Mörder in der Türkei gefasst«, beim Express hieß die Variante »Keine Auslieferung — Kardelens Mörder festgenommen«. Der Express textete weiter: »Diesmal haben sie ihn wirklich: Kardelens Mörder, der 29-jährige Ali K., ist in der Türkei festgenommen worden«, die Krone verwies immerhin im Vorspann darauf, dass der Mörder eben nur ein mutmaßlicher sei. Bei diesen Varianten blieben beide Blätter, zumindest bis zu diesem Zeitpunkt (12:25 Uhr).

Diese bösen Pressefuzzis, wofür bekommen die eigentlich ihr Geld?
Aber mal im Ernst, es ist schon erschreckend, wie die Qualität abnimmt. Liegt es an der Geschwindigkeit und Masse mit der neue Meldungen ungefiltert rausgehauen werden?
Zum Teil mit Sicherheit. Es scheint da einen regelrechten Krieg um die Geschwindigkeit zu geben, ein Rennen darum, wer als Erster die Eilmeldung bringt. Das birgt natürlich Gefahren und führt manchmal auch zu Fehlern, die nicht sein dürfen. Von inhaltlichen Schwächen oder Rechtschreib‑ und Grammatikfehlern mal ganz abgesehen. Die Kehrseite des schönen, schnellen Internets. Wobei sowas durchaus auch im Printbereich passiert, nur dürften da andere Gründe dahinterstecken.