Archiv für Oktober 2008
Leipzig, Karl-Liebknecht-Straße | 12/10/2008
Wohl kaum jemand, der in den vergangenen Jahren das MacBook bereits als Design-Klassiker bezeichnet hat, wusste, wie recht er damit hat. Zumindest mit dem »Klassiker«. Die Geschichte spricht auch mal wieder dafür, wie gut Apple darin ist, die kleinen Geheimnisse seiner Firmengeschichte für sich zu behalten. Das Foto, das wir hier sehen, hat der flickr-User patapat aufgenommen, und zwar im Kunstmuseum Basel, das Original des 1620 von einem deutschen Meister gemalten »Memento mori« hängt jedoch im Frankfurter Städel (Inventar Nr. 2236). Und es zeigt: Den ersten Entwurf für eben das Stück Computergeschichte, das heute als MacBook bekannt ist. 388 Jahre alt!
»Sehr traditionelle und allgemein als überholt angesehene Theorien sahen im Design die reine Formgebung von Objekten zum Zwecke der ›Verschönerung‹ und Verbesserung der praktischen Funktionalität«, lesen wir bei Wikipedia zum Stichwort Design. »Geradezu teleologisch strebten sie als Endzweck nach einer endgültigen, nicht mehr zu verbessernden Form der Dinge, als seien diese nicht stets durch Materialien, Technologien, Gebrauchsweisen, Bedürfnisse und Funktionen limitiert und vorläufig. Betont wurde der Vorbildcharakter bestimmter Entwürfe.« Was auf diesen wohl bis auf kleinere Details zutreffen dürfte. Wie vielleicht den Apfel auf dem Deckel, den der Meister wohl noch nicht im Sinn hatte. Es gibt jedoch einen anderen, historisch äußerst bemerkenswerten Umstand in dieser Geschichte: Denn Apple hat lange Zeit als Hausschrift die Garamond verwendet, die von Claude Garamond stammt, der diese Schrift in 16. Jahrhundert schuf und die dann von Jean Jannon 1620 (sic!) unter dem Namen ihres Schöpfers publiziert wurde. Wer mag da noch an Zufall glauben?
Foto: patapat unter CC-Lizenz | Via io
Bei allem Respekt, Herr Deniz Jaspersen. Erzählen Sie keinen Müll. Eine Band, die sich mit Händen und Füßen dagegen wehrt, sich verorten zu lassen? Hamburger Schule. Ein Sänger, »der sagt, dass er Randsituationen mag, körperliche, menschliche Extreme, Boris Jelzin, den Ghetto Tanz Krumping. Aber wenn man das gerne schreiben möchte, wehrt er mit beiden Händen ab. Bloß nicht so greifbar werden«? Schnickschnack.
Einfach ein großartiges Konzert. Weit ab von Weltverbesserern und Seichtköpfen wie Tomte oder Blumfeld. Eine Band, bei der Karohemden noch erlaubt sind, Farin-Urlaub-Ponnys auch und solide Musik sowieso. Eine Band, die sich nicht scheut, vor gerade einmal 100 (wohlwollend geschätzten) Gästen in der Moritzbastei zu rocken. Eine Band, die man für die Vorband halten könnte. Hut ab.
Wie Herrenmagazin auf Ihrer Homepage so schön schreiben: »Es ist an der Zeit, dieses System jetzt mal zu personalisieren: Deniz Jaspersen (der übrigens eher ausschaut wie ein Optiker, Anm. ⅾ. R.) hatten wir ja schon, Halbtürke, kocht gern, isst gern. Philip Wildfang, ebenfalls Halbtürke, isst noch mehr, spielt Gitarre. Paul Konopacka, Bassgitarre, jung. Kocht am besten. Und schließlich Rasmus Engler, Schlagzeuger, Buchautor.« Es wundert nicht, dass sich Kettcar bei dieser Band zu Wort melden: »In Hamburg raunten es sich die Menschen schon länger zu: Rasmus Engler hat ne neue Band, die können was, die werden was.« Und sie werden was werden. Mein erstes Konzert in Leipzig waren Kettcar im Werk Ⅱ. Und wo sind sie heute? Erneut, bei allem Respekt: Kein Zwiespalt, keine Resignation, kein Merchandising-Wahn. Nur »Rumms«. Dafür Danke!
Die nächsten Termine?
03.10.08 Bielefeld
04.10.08 Köln
06.10.08 Konstanz
07.10.08 München
08.10.08 Berlin
10.10.08 Darmstadt
11.10.08 Kaiserslautern
21.10.08 Oldenburg
22.10.08 Münster
23.10.08 Giessen
25.10.08 Stuttgart
26.10.08 St. Gallen
28.10.08 Innsbruck
29.10.08 Linz
30.10.08 Graz
31.10.08 Wien
30.01.09 Dortmund
31.01.09 Leer
07.03.09 Reutlingen
Die Suche nach »YouTube« liefert keinen Treffer. Die nach »Anna Netrebko« gerademal 321. Das »iPhone« immerhin schneidet etwas besser ab, 28.600. Und das, obwohl es das Apple-Gerät noch gar nicht gibt. Was ist passiert? Wir sind im Jahr 2001 bei der Google-Suche gelandet. Zum Geburtstag der Suchmaschine haben die Betreiber ihr inzwischen zum Standard gewordenes Tool zurückgesetzt, auf den ältesten verfügbaren Stand. Und doch, obwohl das nur sieben Jahre her ist, betritt man eine andere Welt. Bloß zum Vergleich: Für Frau Netrebko bekomme ich heute 1.040.000 Treffer, für das iPhone 348.000.000 und für YouTube spuckt Google satte 908.000.000 Seiten aus.
Eine schöne Spielerei, die sich Google da hat einfallen lassen. Vor allem aber zeigt sie, wie rasant sich das Internet verändert. Und auch Google. Waren es vor sieben Jahre »gerade einmal« 1,3 Milliarden Seiten, die das Unternehmen durchsuchen konnte, sollen es heute schon 40 Milliarden sein. Gerüchte sprechen sogar von der dreifachen Anzahl.
Der Blick zurück auf das Jahr nach der Jahrtausendwende tut vor allem der Seele gut. Suchen Sie einfach mal ein wenig, etwa nach »Deutschland sucht den Superstar«, der »Ich-AG«, »Johannes B. Kerner« oder »Feuchtgebiete«. Es ist eine Wohltat. Als hätte jemand den medialen Schalter umgelegt, ein paar Seiten aus dem schwarzen Buch der Erinnerung gelöscht. Nur den eigenen Namen sollten Sie nicht googlen. Zumindest nicht, wenn Sie sich nicht ganz, ganz sicher sind.
Foto: Photocase | BeneA